Handzettel zur Geburtsvorbereitung

Hebamme

Agnes Tebarts

 

Ich hoffe,daß euch meine Geburts-Vorbereitung vieles Interessantes mitgegeben hat und meine Ratschläge und Erfahrungen den Umgang mit eurer neuen Lebenssituation erleichtern werden. Leider ist es oft so, daß vieles wieder in Vergessenheit gerät oder in der Panik von Konkretsituationen falsch oder gar nicht gehandelt wird. Deshalb noch einmal dieser kleine Leitfaden.

Ernährung

Haltet keine strengen, reduzierten oder einseitigen Diäten ein! Ausnahmen bilden seltene Krankheiten. Hier wird euch d.Arzt(in)oder die Hebamme weiterhelfen. Nach dem jetzigen Stand der Ernährungswissenschaft, sollten Allergikerinnen während der Schwangerschaft ganz oder wesentlich auf Kuhmilch verzichten. Gesäuerte Milchprodukte sind in Maßen erlaubt. Nehmt die Schwangerschaft nicht zum Vorwand, maßlos zu leben. Eine zu große Gewichtszunahme belastet den Organismus während der ganzen Schwangerschaft. Im übrigen sind überflüssige Pfunde nur schwer nach der Entbindung abzubauen. Norm sind eine Gewichtszunahme von 1-1,5 kg pro Monat bis zur 38ten Schwangerschaftswoche (SSW).

Sport   

Gesunde, sportliche Frauen mit einer gesunden Schwangerschaft brauchen auch in der Früh-Schwangerschaft nicht auf "ihren Sport" zu verzichten. Lediglich "gefährliche" Sportarten sollten möglichst unterlassen werden. Habt Vertrauen in euren Körper und hört auf die Signale. Er wird euch mitteilen,wann ihr euch einschränken oder den Sport ganz lassen solltet. Ausnahmen für körperliche Aktivitäten sind ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft und Schwimmen. Diese körperlichen Tätigkeiten können in einer gesunden Schwangerschaft bis zum Ende fortgeführt werden.

Die Schwangerschaftsgymnastik, die ich euch in meinen Kursen vermittelt habe, soll helfen, bestehende Beschwerden zu lindern oder solchen vorzubeugen. Meine Arbeit besteht lediglich in der Anleitung. Die Konsequenz zur Arbeit müßt ihr selbst aufbringen.

Sex in der Schwangerschaft

Habt keine Angst vor Sex in der Schwangerschaft! Wissen solltet ihr, daß Körper und Seele gewaltige Veränderungen in der Schwangerschaft vollziehen. Lebt und sprecht eure Stimmungen und Gefühle dem Partner gegenüber aus. Genau wie nach einer vaginalen Untersuchung in der Schwangerschaft kann es nach dem Geschlechtsverkehr zu einer schwachen Schmierblutung oder leichten Wehen, meist am Tag danach, kommen. Dies ist harmlos; sollte es aber eine Blutung etwa von Regelstärke oder mit frischem roten Blut sein, so sollte es von der Hebamme oder d.Arzt(in) abgeklärt werden. Wenn sich der Muttermund nicht vorzeitig öffnet oder die Frau keine vorzeitigen Wehen hat, gibt es kein Sextabu vor der Geburt. Frauen, die zu vorzeitiger Wehentätigkeit neigen, sollten ihren Partner Kondome benutzen lassen.

Der Geburts-Termin naht 

Die Homöopatische Geburtsvorbereitung

Wird eine Vorbereitung auf die Geburt mit Naturheilmitteln gewünscht, wendet euch bitte an mich.

Der Klinikkoffer wird gepackt 

Devise: Packt wirklich nur das Notwendige ein. Babysachen und Hygieneartikel (Vorlagen etc.) werden in aller Regel vom Krankenhaus gestellt. Bedenkt, daß die Kleiderschränke in den Krankenzimmern eine Minimalgröße haben, in der eine Reisetasche fast keinen Platz hat.

Die Terminüberschreitung

Der Termin ist da und das Kind läßt auf sich warten; eine Situation, die fast alle werdenden Eltern, nebst Anverwandten, nervös werden läßt!

Erstes Gebot: Unbedingt Ruhe bewahren!

Nur 5% aller Kinder kommen genau am errechneten Termin zur Welt! Sagt allen Verwandten und Freunden immer nur das etwaige Datum (Anfang, Mitte, Ende des Monats). Nur so könnt ihr nervenden Telefonaten aus dem Weg gehen. D. Arzt(in) oder die Hebamme wird euch engmaschiger zur Untersuchung einbestellen, d.h. zur CTG-Kontrolle und zur Ammioskopie = Fruchtwasserspiegelung, falls sich der Muttermund schon geöffnet hat. Soweit alles in Ordnung ist, werdet ihr um den 10ten Tag in das Krankenhaus eingewiesen. Dort wird man wahrscheinlich einen sogenannten OBT = Wehenbelastungstest machen, d.h. vorsichtige Wehenstimulation unter Herzkontrolle. Wenn der Muttermund noch fest verschlossen ist, wird in der Regel mit Prostaglandin-Zäpfchen oder Gel "vorgearbeitet".

"Vorarbeiten" zu Hause

  1. Wenn du es magst, übe Beischlaf mit deinem Partner aus. Im männlichen Sperma ist ebenfalls Prostaglandin, ein wehenförderndes Mittel. Falls leichte Wehen da sind, stimuliere diese mit Laufen, Baden, Brustwarzen-Zupfen und sonstigen Aktivitäten. Beschäftige dich irgendwie; versuche dich abzulenken.
  2. Bleibe nicht allein. -- Wenn du dir nicht sicher bist, versuche eine Hebamme oder d.Arzt(in) zu rufen oder aufzusuchen. Sie werden dir an Hand der vaginalen Diagnose sagen, ob es Zeit ist zum Krankenhaus zu gehen oder nicht.

Der vorzeitige Blasensprung

Die Fruchtblase springt offensichtlich, ohne Wehen und ohne wesentliche Muttermund Eröffnung, meist noch vor dem errechneten Termin. Bei starkem Fruchtwasser- Abgang: Nimm ein Frotteehandtuch, lege es zwischen die Beine, hole Hilfe und lasse dich zum Krankenhaus fahren. Dort wird man wahrscheinlich vorgehen wie bei der rechnerischen Übertragung, da man die Geburt des Kindes nicht mehr lange hinauszögern möchte.

Wann du umgehend ins Krankenhaus solltest:

Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen:

Eltern sein muß man genauso lernen, wie alles andere "Neue". Die perfekten Eltern gibt es nicht. 

Nehmt die Hilfen und Tips während und nach der Geburt durch die Hebamme und Arzt(in) an.

Aber laßt euch nicht verunsichern. Ihr wißt: 6 Leute -- 6 Meinungen!

Steht zu eurer eigenen Meinung oder nehmt eine sogenannte "Vertrauensperson", z.B. die Freundin, die bereits Entbindungs- und Stillerfahrung hat oder die Kinder-Schwester, mit der ihr gut klar kommt, oder auch die Hebamme, auf deren Rat ihr Wert legt.

Aller Anfang ist schwer.

Der Berg ist meistens nur ein Hügel, den es mit einem Bergführer zu überwinden gilt.

"Unsere Gesellschaft sieht den Ausbruch von Gefühlen als einen Ausbruch aus der Kontrolle an, was als unvernünftig gilt. Das Zulassen von Schmerz ist ein Zulassen von Schwäche. Aber eine realistischere Geburtsvorbereitung würde den meisten Erstgebärenden helfen." (Michele Franklin, Malerin)

Euere

Agnes Tebarts

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P.S.:Die Krankenkasse vergütet: